Fotocredits: Bernhard Doppler
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Ich habe acht Wochen nach der Geburt meines Sohnes wieder angefangen, geringfügig zu arbeiten. Gearbeitet habe ich immer dann, wenn mein Kind geschlafen hat. Diese begrenzte Zeit zwang mich dazu, mich nicht zu lange mit Grübeln und Problemen aufzuhalten, sondern schnell ins Tun und damit zu Lösungen zu kommen. Danach ist mir aufgefallen, dass ich schneller und gleichzeitig konzentrierter arbeitete. Mein Fazit: Durch die Mutterschaft habe ich drei geballte Kompetenzen weiterentwickelt: Effizienz, Fokus und Lösungsorientierung. Das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten.

Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob es nur mir so geht.
Ich hatte das Gefühl, meine Soft Skills geschärft zu haben und habe mich gewundert, warum darüber niemand redet. Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob es nur mir so geht. Also habe ich mit befreundeten Müttern gesprochen. Die meisten hatten noch nie darüber nachgedacht. Aber als ich das Thema angesprochen habe, haben sie begonnen, zu reflektieren und viele kamen zum selben Schluss: Ja, auch sie hatten ihre Kompetenzen weiterentwickelt. In diesem Moment war mir klar, dass ich das wissenschaftlich untersuchen möchte und im besten Fall belegen.
Wie stark wir hinterherhinken, wenn es darum geht, informelles Lernen in Unternehmen strukturell und systematisch zu nutzen. Viele Organisationen haben noch nicht einmal ein richtiges Karenz- oder Wiedereinstiegsmanagement. Das bedeutet: Die Kompetenzen, die Eltern in dieser Zeit erlangen, werden weder sichtbar gemacht noch genutzt. Denn was meine Masterarbeit klar gezeigt hat: Informell Gelerntes lässt sich nur durch Reflexion und die richtigen Rahmenbedingungen in den Beruf transferieren. Ohne diesen Schritt bleibt das Potenzial unsichtbar. Ich wünsche mir, dass man in Unternehmen aufwacht und die Talente, die schon dort arbeiten, auch fördert. Manchmal reicht dafür eine einzige Frage: Was haben Sie durch Ihre Elternschaft gelernt, das Sie heute im Beruf einsetzen können? Diese eine Frage kann Welten verändern.
Ich wünsche mir, dass man in Unternehmen aufwacht und die Talente, die schon dort arbeiten, auch fördert.
Durch das Studium habe ich wieder gelernt, wirklich zuzuhören und dem Gegenüber Raum zu geben. Das ist für mich die wertvollste Kompetenz, die ich mitgenommen habe. Ich gehe nicht mit einer vorgefertigten Lösung in ein Gespräch. Ich höre zu.
Die Erkenntnis, dass es keine Objektivität gibt und wir alle Dinge aufgrund unserer eigenen Erfahrungen anders wahrnehmen, hilft mir bis heute, neutral in Coachings zu gehen.

Ich habe das Studium von Anfang an als Investment in mich selbst gesehen.
Das Studium hat mir geholfen zu reflektieren, was mich wirklich antreibt: anderen Menschen zu helfen, ihren Weg zu gehen und ihren Mut zu stärken. Ohne dieses Fundament hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit wahrscheinlich nie gewagt. Ich hätte immer das Gefühl gehabt, nicht genug theoretisches Wissen zu haben. Was mich aber überrascht hat: Das Studium hat nicht nur mein Wissen erweitert. Viele Vortragende haben echte Reflexionsräume geschaffen, besonders in den vertiefenden Fächern. Ich habe das Studium von Anfang an als Investment in mich selbst gesehen. Dieses Investment hat sich inzwischen zu 100 % ausgezahlt.
Eine Mutter hat nichts zu verstecken. Im Gegenteil: Durch die Mutterschaft ist sie kompetenter geworden und das muss endlich gesehen werden.
Ich sehe den Handlungsbedarf auf zwei Seiten:
Mütter müssen ihre Kompetenzen in berufliche Sprache übersetzen, sie benennen und im Beruf sichtbar machen. Eine Mutter hat nichts zu verstecken. Im Gegenteil: Durch die Mutterschaft ist sie kompetenter geworden und das muss endlich gesehen werden. Denn nur durch Sichtbarkeit lässt sich das Stigma durchbrechen, das Mütter in der Arbeitswelt noch immer erfahren.
Die andere Seite sind die Unternehmen. Karenz- und Wiedereinstiegsmanagement ist kein Nice-to-have, es ist ein Wirtschaftsfaktor. Mitarbeitendenbindung gehört zu den wichtigsten Themen unserer heutigen Arbeitswelt. Durch Fachkräftemangel und demografischen Wandel können es sich Unternehmen schlicht nicht mehr leisten, diese Talente zu verlieren. Wer informell Gelerntes sichtbar macht und Kompetenzmanagement ernst nimmt, kann im War for Talents ganz vorne mitspielen. Die Talente sind bereits in den Unternehmen oder unter den Bewerbenden. Man muss sie nur nutzen.

Der Weg zu mehr Sichtbarkeit geht immer über Klarheit: Wer das Gefühl hat, zu wenig gesehen zu werden, sollte sich zuerst fragen: „Kann ich meine Kompetenzen selbst klar benennen?“ Je mehr Klarheit man für sich selbst hat, umso leichter fällt es, diese auch nach außen zu tragen.
Der nächste Schritt: Die eigenen Soft Skills ansprechen, etwa im Mitarbeiter*in-Gespräch oder in Meetings, in denen es passt: Aufzeigen, Raum einnehmen, vom eigenen Kompetenzzuwachs erzählen. Sichtbarkeit ist ein aktiver Prozess, den jede*r selbst gestalten kann. Und wer das Gefühl hat, alleine nicht weiterzukommen: Genau dafür bin ich da.
Fotocredits: Bernhard Doppler
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