Warum Bildung auch Management braucht: Constantin Haider im Alumni-Interview

Constantin Haider zählt zu den jüngsten Führungskräften im österreichischen Bildungswesen. Als pädagogischer Geschäftsführer der Schulstiftung der Erzdiözese Wien begleitet er knapp 20 Bildungseinrichtungen mit etwa 7.500 Schülerinnen und Schülern. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen auf dem Weg zum MBA und warum gerade Managementkompetenz für Schulen wichtig ist.


Herr Haider, Sie kommen aus der pädagogischen Praxis und haben sich bewusst für ein MBA-Studium in Business Management entschieden. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen?

Schon mit 19 Jahren habe ich im Job gemerkt, dass pädagogische Kompetenz allein nicht ausreicht, wenn man Organisationen erfolgreich führen möchte. Ich war damals pädagogischer Leiter in einem Unternehmen und wollte Entscheidungen fundiert anhand von Modellen und Analysen treffen. Mir haben vor allem betriebswirtschaftliche Grundlagen, strategische Werkzeuge und ein systematisches Verständnis von Führung gefehlt. Das MBA-Studium war für mich daher der logische nächste Schritt, den ich kein einziges Mal bereut habe.

Beruf, Studium und Verantwortung parallel zu bewältigen, erfordert klare Prioritäten und die Bereitschaft, auch dann weiterzumachen, wenn andere längst Feierabend haben.

Welche Inhalte oder Themenbereiche im Studium haben Sie besonders gefordert? Und wo haben Sie den größten Entwicklungssprung bei sich selbst gespürt?

Kennzahlenmanagement und Budgetierung haben mich besonders gefordert. Das Arbeiten mit Zahlen, das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und finanzielle Steuerung waren für mich Neuland. Sich das Wissen zu diesen Themen im Selbststudium anzueignen, war durchaus herausfordernd. Der größte Entwicklungsschritt lag im Persönlichen: Selbstorganisation und Disziplin. Beruf, Studium und Verantwortung parallel zu bewältigen, erfordert klare Prioritäten und die Bereitschaft, auch dann weiterzumachen, wenn andere längst Feierabend haben. Diese Haltung hat mich nachhaltig geprägt.

Das Arbeiten mit Zahlen, das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und finanzielle Steuerung waren für mich Neuland.

Als junge Führungskraft stehen Sie in einer besonderen Rolle. Wie hat das Studium Ihr Führungsverständnis gestärkt?

In meiner Rolle trage ich Verantwortung für zahlreiche Bildungseinrichtungen, Mitarbeitende und Schüler*innen. Das MBA-Studium hat mir dafür ein solides Fundament gegeben. Viele Herausforderungen kann ich einordnen, weil ich die Modelle und Managementansätze schon kenne. Führung bedeutet für mich, klare Rahmenbedingungen zu schaffen und zugleich auf Vertrauen zu setzen, insbesondere gegenüber unseren Direktorinnen und Direktoren sowie den Standortleitungen. Wir sind ein Team und unser gemeinsames Interesse ist das Schaffen von Strukturen, die Lernen ermöglichen.

Meine Lehrtätigkeit im Lehramtsstudium an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich schafft zusätzliche Synergien, weil sie Praxis, Wissenschaft und Führungsverantwortung sinnvoll verbindet.


Sie sagen, Schule sei heute weit mehr als ein Lernort. Welche Managementkompetenzen sind aus Ihrer Sicht im modernen Bildungswesen unverzichtbar?

Schule ist eine komplexe Organisation mit hoher gesellschaftlicher Verantwortung. In meiner Masterarbeit habe ich untersucht, welche Managementkompetenzen Schulleitungen, insbesondere Clusterleitungen, benötigen. Strategisches Denken, Personalführung, wirtschaftliches Grundverständnis, Konfliktfähigkeit und Change-Kompetenz sind zentrale Fähigkeiten. Pädagogische Qualität entsteht nicht zufällig, sondern durch professionelle Steuerung und ein starkes Team.


 

Gab es während des Studiums eine Situation, die Sie stark gefordert hat? Wie sind Sie damit umgegangen?

Eine prägende Situation war die erste umfassende Bilanzierung mit komplexen Excel-Formeln. Das war ein Moment, in dem ich meine Komfortzone deutlich verlassen musste und mir dachte: "Warum mache ich das?" Ich habe die Herausforderung dann bewusst angenommen und Schritt für Schritt daran gearbeitet. Unterstützung aus meinem privaten Umfeld und ermutigende Worte des Studienprogrammleiters haben mir dabei geholfen, dranzubleiben. Rückblickend war genau diese Aufgabe ein Wendepunkt, weil sie gezeigt hat, dass Wachstum oft dort beginnt, wo es unbequem wird.

Das war ein Moment, in dem ich meine Komfortzone deutlich verlassen musste und mir dachte: 'Warum mache ich das?'

Fällt Ihnen ein Erlebnis aus Ihrer Studienzeit ein, das Ihnen noch heute extrem positiv in Erinnerung ist?

Ganz klar: die Abschlussprüfung. Es war einerseits ein Moment des Stolzes, weil ich präsentieren durfte, womit ich mich über Monate intensiv beschäftigt hatte. Gleichzeitig war da natürlich enormer Druck. Als ich hörte „Sie haben das sehr gut gemacht und bestanden“, ist unglaublich viel abgefallen: die langen Abende, die intensiven Phasen, die Zweifel zwischendurch. Dieses Gefühl kann man kaum beschreiben. Es war Erleichterung, Stolz und ein tiefes Bewusstsein dafür, dass sich der Einsatz gelohnt hat.

Rückblickend war genau diese Aufgabe ein Wendepunkt, weil sie gezeigt hat, dass Wachstum oft dort beginnt, wo es unbequem wird.

Wie verbringen Sie am liebsten Ihre freie Zeit, wenn Sie bewusst abschalten möchten?

Ich verbringe sehr gerne Zeit mit meinen beiden Neffen. Einfach neugierig sein, gemeinsam die Welt entdecken oder Züge beobachten. Diese Offenheit und Begeisterungsfähigkeit sind beeindruckend. Als Onkel darf ich täglich zahlreiche „Warum“-Fragen beantworten und genau darin sehe ich etwas sehr Wertvolles. Solche Begegnungen erinnern mich immer wieder daran, warum ich mich für Schulen einsetze, die auf das Leben vorbereiten und positiv in Erinnerung bleiben. Unsere katholischen Privatschulen der Schulstiftung leisten hier einen wichtigen Beitrag.

In der Natur finde ich ebenfalls Ausgleich: beim Skifahren, Klettern oder mit dem Fahrrad im Wienerwald. Bewegung schafft Klarheit. Am Abend helfen mir bewusste Reflexions- oder Meditationsmomente, den Tag ruhig abzuschließen.


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