Manuel Rieger im Gespräch: Ich habe einen wirklich langen, harten Weg hinter mir

Manuel Rieger ist mehrfacher Akademiker, Unternehmer, Autor und Experte für Risiko-, Krisen- und Versicherungsmanagement. Ich habe ihn interviewt, um von seiner Karriere und seiner Zeit als Fernstudent bei der Hochschule Burgenland zu erfahren. Die neue Alumni Story liefert einen ehrlichen Einblick in eine Reise, die mit dem Nachholen seiner Matura begann.


Herr Rieger, Sie haben 2016 Ihren MBA an der Hochschule Burgenland absolviert. Jetzt stehen Sie kurz vor dem Abschluss Ihres Masters in Informationssicherheit und IT-Risikomanagement, wieder an der Hochschule Burgenland. Damit sind Sie ein echter „Wiederholungstäter“. Was hat Sie nach all den Jahren erneut zur Hochschule Burgenland geführt?

Mit meinem ersten MBA-Fernstudium an der damaligen FH Burgenland war ich sehr zufrieden und es hat mich beruflich ordentlich weiter gebracht. Im Vertiefungsstudium des MBA-Programms habe ich mich auf Mediation spezialisiert. Das Schöne: Heute darf ich genau an dem Institut, das damals die Praxisthemen dazu anbot, selbst lehren.

Nach dem MBA-Programm habe ich einen Master in Risikomanagement an einer anderen Fachhochschule absolviert, suchte aber noch nach einer Vertiefung in Informationssicherheit und IT-Risikomanagement. Mit dem MSc (CE) Informationssicherheit und IT-Risikomanagement bin ich dann erneut auf die Hochschule Burgenland gestoßen und musste nicht lange nachdenken. Schon im ersten Studium war die Organisation top, die Inhalte waren fundiert und die Unterlagen nutze ich bis heute als Nachschlagewerk.

Beim Wort „Fernstudium“ denken viele eher an einsame Abende und Wochenenden vor dem Bildschirm. Wie nahbar haben Sie die Community erlebt?

Bei mir war es eine Mischung: Das Basisstudium absolvierte ich komplett solo. Da habe ich alle Module allein abgearbeitet, ohne Kontakt zu irgendwelchen Mitstudierenden. Das Fachstudium dagegen war anders aufgebaut: Da hatte ich über mehrere Monate hinweg Live-Online-Unterricht und deshalb regen Austausch mit meinen Kommiliton*innen.

Das Besondere am Live-Online-Unterricht war der virtuelle Campus: Eine virtuelle Hochschule, die ich an zwei Abenden pro Woche zum Präsenzseminar besuchte. Man betritt sie mit seinem Avatar, geht in den Vortragssaal, hat sein eigenes virtuelles Büro, trifft sich in virtuellen Besprechungszimmern. Das war für mich sehr ansprechend. Eine tolle Erfahrung und aus meiner Sicht absolut die Zukunft des Studiums und des Lernens.

Und auch zehn Jahre zuvor, bei meinem ersten Fernstudium an der Hochschule Burgenland, habe ich wertvolle Kontakte zu meinen Mitstudierenden geknüpft. Manche davon halten bis heute.

Ich habe ja auch meine HAK-Matura in einer Wochenend-Form nachgemacht. Also einen wirklich langen, harten Weg hinter mir, mit allen Höhen und Tiefen.

Welchen Rat geben Sie Menschen mit auf den Weg, die vielleicht gerade dieses Interview lesen und sich fragen: „Würde ich ein Fernstudium überhaupt schaffen?“

Mein erster Impuls für alle, die an sich zweifeln, lautet: Tut es! Startet! Ich denke mir: „Wenn ich es kann, zum wiederholten Male, kann es fast jede*r.“ Das ist meine ehrliche Meinung. Aber natürlich gibt es da noch mehr zu überlegen und jede Situation ist sehr individuell. Ich habe ja auch meine HAK-Matura in einer Wochenend-Form nachgemacht. Ich habe also einen wirklich langen, harten Weg hinter mir, mit allen Höhen und Tiefen.

Am meisten habe ich in all meinen Weiterbildungen immer die alleinerziehenden Mütter bewundert. Sie haben mich in besonderer Weise motiviert, dranzubleiben, wenn sie mir davon erzählten, erst nachts zu lernen, wenn die Kinder schliefen. Oder wenn sie das Präsenzseminar besuchten, müde oder in Sorge darüber, wie es wohl derweil daheim laufen würde.

Mein Rat: Es ist wichtig zu überlegen: Passt das zu mir? Ist das irgendwie zu schaffen? Aber meistens geht es, wenn man will. Wir Menschen gewöhnen uns schnell an Veränderung. Und nach ein paar Wochen ist das alles ganz selbstverständlich. 

Am meisten habe ich in all meinen Weiterbildungen immer die alleinerziehenden Mütter bewundert.

Aus den Inhalten Ihres aktuellen Studiums heraus haben Sie das Cyber-Security-Tool „NISty“ für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) entwickelt. Wie genau hat das Studium diesen Innovationsgeist in Ihnen geweckt?

Es war vor allem der Austausch mit Vortragenden und Mitstudierenden. Die Vortragenden kommen selbst aus der Praxis, lassen Diskussionen zu und fördern neue Perspektiven. Das macht sie sympathisch und fördert eine Kultur der Entwicklung. Und das war auch bei den Mitstudierenden so: Ich hatte das Glück, in einer internationalen Peergroup mit wirklich tollen, erfahrenen und engagierten Mitstudierenden zu sein. In einem Gespräch mit meinem Mitstudierenden kam mir dann die Idee von „NISTy“ wie ein Geistesblitz, nachdem ich bemerkte, dass KMUs als Zulieferer wegen der neuen Richtlinie zur Sicherung von Netz- und Informationssystemen großen Handlungsbedarf haben.

Die Vortragenden sind selbst alle aus der Praxis, lassen Diskussionen zu und fördern neue Perspektiven.

Ursprünglich wollten Sie das Thema in Ihrer Masterarbeit behandeln, haben sich dann aber für den direkten Weg in die Praxis entschieden. Wie wichtig ist der direkte Wissenstransfer in die reale Wirtschaft?

Für mich stand immer der Wissenstransfer vom Studium in die Praxis im Mittelpunkt. Nach dem MBA an der Hochschule Burgenland habe ich ein eigenes Kommunikationsmodell entwickelt und teile dieses als Trainer im Bereich Deeskalation und Konfliktmanagement.

NISty war eigentlich ein Zufallsprodukt. Ich wollte im jetzigen Studium meinem Vorsatz treu bleiben und wieder etwas aus dem Studium in die Praxis mitnehmen. Ich hatte das Glück, jemanden zu finden, der das mit mir zusammen umsetzt.

Wie isst man einen Elefanten? Bissen für Bissen!

Was treibt Sie in Momenten, in denen die Energie knapp wird, emotional am meisten an?

Wenn besonders intensive Wochen vor mir liegen, erinnere ich mich an eine einfache Weisheit: „Wie isst man einen Elefanten? Bissen für Bissen.“ Das hilft mir, große Herausforderungen in kleine Schritte zu zerlegen. Mein Antrieb kommt dabei vor allem von innen. Ich möchte mich weiterentwickeln und mir selbst beweisen, was möglich ist.


Fotocredits: Privataufnahmen: Der Urheber verzichtet auf die Nennung.


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